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Immobilia September 2026

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FOKUS INTERVIEW

FOKUS INTERVIEW GEBÄUDESICHERHEIT ICH HATTE VOR DEM 1. JANUAR NOCH NIE VON EINEM INDOOR- PYRO BRAND GEHÖRT. CRANS- MONTANA IST EINE GROSSE AUSNAHME. Himmel sieht es anders aus: Am 1. August kommt es immer wieder vor, dass eine Rakete ein Haus anzündet. Und doch haben Sie sofort ein Pyroverbot für Innenräume beschlossen. Ja, das hat das Gremium der Kantone, das die Revision der Brandschutzvorschriften steuert, so entschieden. Die Vorschriften sind das eine, die Praxis das andere. Wie erreicht man, dass Vorschriften tatsächlich eingehalten werden? Dass Fluchtwege offen sind und Brandschutztüren zu? Hier ist die Eigenverantwortung zentral. Das ist jetzt auch sehr klar festgehalten in den neuen Brandschutz-Vorschriften. Man kann nicht alles an die Feuerpolizei delegieren, so viel Personal haben wir nicht. Für die Club- und Barszene gibt es aber eine wichtige Neuerung mit den neuen Vorschriften: Künftig sind in allen Kantonen unangekündigte Kontrollen möglich. Das Wissen, dass die Feuerpolizei jederzeit vorbeikommen kann, hat eine starke präventive Wirkung. Heute sind Spontankontrollen in vielen Kantonen nicht erlaubt, man muss sich vorher anmelden. Was passiert, wenn die Feuerpolizei feststellt, dass gegen Vorschriften verstossen wird? Bei schwerwiegenden, nicht umgehend behebbaren Mängeln wird in Zürich der Club sofort geschlossen, innert zehn Minuten, und es gibt nachgelagert ein Strafverfahren. Bei kritischen, aber sofort behebbaren Mängeln wartet die Feuerpolizei vor Ort, bis der Brandschutz in Ordnung ist. Sie sagen, Crans-Montana sei ein sehr untypischer Brand gewesen. Gibt es dennoch Learnings aus dieser Katastrophe, die nun in die Gesetzesrevision einfliessen? Ja, wir werden den Vollzug beschleunigen. Es wird eine kürzere Übergangsfrist geben, bis die Brandschutzbehörden bereit sein müssen, die neuen Regeln umzusetzen. Das bedeutet, dass die Kantone die Ausbildung der Brandschutzfachleute rasch an die Hand nehmen müssen. Man hat in Crans- Montana gesehen, dass strenge Gesetze allein noch keine Sicherheit bringen. Der Kanton Wallis hatte 8 IMMOBILIA / September 2026

ein extrem strenges Feuerschutzgesetz. Aber wenn das Personal nicht vorhanden oder nicht ausgebildet ist, um die Vorschriften umzusetzen, nützt das nichts. Zudem werden die Kontrollrhythmen verkürzt. Da waren zunächst zehn Jahre vorgesehen, jetzt werden es weniger sein. Die Behörden müssen auch zwingend eine Priorisierung vornehmen. Nutzungen, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, müssen häufiger kontrolliert werden. Gebäude mit Publikumsverkehr? Ja, öffentlich zugängliche Gebäude und Bauten, in denen sich Personen mit eingeschränkter Mobilität aufhalten: etwa Krankenhäuser, Pflegezentren und Kindergärten. Die Dichte von Menschen, die sich in einem Gebäude aufhalten, sind auch ein Kriterium, da denke ich beispielsweise an grössere Hotels oder Veranstaltungsorte. Und natürlich Hochhäuser, also Gebäude ab 30 Metern, weil die Möglichkeiten der Feuerwehr da stark eingeschränkt sind. In Hochhäusern gelten auch strengere Brandschutzanforderungen. Ja, und das kostet. Hochhäuser sind auch deswegen pro Quadratmeter teurer als andere Gebäude. Ferner gibt es Gebäude, in denen gefährliche Stoffe gelagert sind. Da meine ich einerseits gewisse Industrien; das können aber auch Lager von Spitälern sein, in denen beispielweise Medizinalgase und Materialien für Strahlentherapien aufbewahrt werden oder eine technische Hochschule wie die ETH mit ihren vielfältigen Labors. Und wie schon erwähnt: Alle Bauten unter der Erde sind heikel. Wenn Rauch und Hitze von dort aufsteigen, ist das sehr herausfordernd für die Feuerwehr. Wie beeinflusst die Digitalisierung den Brandschutz? Wenn Sie auf einer 15-jährigen Brandschutzanlage ein Software-Update machen müssen, kann das Probleme bereiten. Das ist ein Thema von Wartung und Unterhalt. Solange man die vorgeschriebenen Tests durchführt, merkt man, wenn etwas nicht stimmt. Tut man das aber nicht, kann es gefährlich werden. Die Eigentümer sind nach Obligationenrecht verantwortlich, wenn etwas passiert - unabhängig von der Schuldfrage. Das betone ich immer wieder. Viele sind sich dessen nicht bewusst. Nachhaltiges Bauen und Sicherheit: Ist das ein Widerspruch? Ist Brandschutz beispielsweise bei Holzbauten ein Problem? Das ist kein Problem. Mittlerweile gibt es auch Holzhochhäuser. Da würde ich mich sehr sicher IMMOBILIA / September 2026 9

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