BAU & HAUS ELEKTROSICHERHEIT GEFAHRENQUELLE VERALTETE ELEKTRO- INSTALLATIONEN Unsichtbar, leise und geruchsneutral fliesst der Strom in unseren Hausinstallationen. Gerade das macht alte Elektroinstallationen tückisch. Sie wirken harmlos und funktionieren scheinbar problemlos, auch wenn erhebliche Sicherheitsrisiken bestehen. TEXT—FABIAN PROBST* Bild 1: Abnutzungen und Mängel verbergen sich meist hinter Wänden, Decken oder Verkleidungen. BILDER: ZVG Bild 2: Durch Steckertürme können die Stecker, aber auch die Steckdosen überlastet werden. SCHWACHSTELLEN KENNEN Alte Elektroinstallationen bergen erhebliche Risiken, die oft unentdeckt bleiben, weil sich Abnutzungen und Mängel meist hinter Wänden, Decken oder Verkleidungen verbergen. Leitungen, die seit Jahrzehnten in Betrieb sind, veraltete Sicherungssysteme oder fehlende Schutzeinrichtungen können erhebliche Gefahren für Menschen, Gebäude und Sachwerte darstellen. Da viele dieser Mängel auf den ersten Blick nicht erkennbar sind, werden die Risiken häufig unterschätzt. In diesem Beitrag beleuchten wir die wichtigsten Schwachstellen alter Elektroinstallationen (Bilder 1 und 3) und zeigen auf, worauf Eigentümer und Betreiber besonders achten sollten. Dazu gehören: - Fehlender Fehlerstromschutzschalter (RCD) - Spröde oder beschädigte Leiter - isolationen - Verbotene Stoffe in alten Isolationen - Begrenzte Lebensdauer von Installa tionen und Geräten - Asbest in alten Bauteilen - Unsachgemässe Änderungen und Erweiterungen - Zu wenige Steckdosen erhöhen das Risiko. KABEL ÜBERPRÜFEN Mit zunehmendem Alter verlieren Kabel ihre ursprüngliche Festigkeit. Die Isolation wird spröde und anfällig für Schäden. Typische Anzeichen dafür sind: - Risse - Abbröckelnde Oberflächen - Sichtbare Verfärbungen - Spuren von Überhitzung. Besonders kritisch sind textilisolierte Leitungen (Bild 3). Hier steigt das Risiko für Kurzschlüsse und Schwellbrände stark an. Ältere Kabelisolationen bestehen häufig aus Materialien, die heute aufgrund ihrer gesundheitlichen und sicherheitstechnischen Risiken nicht mehr eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem PVC- Mischungen mit bedenklichen Weichmachern, gummibasierte Isolierungen mit problematischen Alterungsstoffen sowie Werkstoffe, die im Brandfall giftige Gase freisetzen können. Über die Jahre verlieren diese Materialien ihre ursprünglichen Eigenschaften, werden spröde und können Schadstoffe abgeben. In einigen Fällen können bereits Erwärmung oder direkter Kontakt zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Hautreizungen NACHRÜSTEN VON FEHLERSTROM SCHUTZSCHALTERN (RCD) Seit 2010 ist im Wohnungsbau für alle Stromkreise mit Steckdosen der Einbau von Fehlerstromschutzschaltern (RCD) nach den geltenden Regeln der Technik vorgeschrieben. Bestehende Installationen, sogenannte Bestandesanlagen, sind davon ausgenommen, sofern sie kein Sicherheitsrisiko darstellen und nicht verändert werden. Fehlerstromschutzschalter erkennen, wenn Strom unbeabsichtigt über ein Metallgehäuse oder durch den menschlichen Körper abfliesst. In diesem Fall unterbrechen sie die Stromversorgung innerhalb von Millisekunden. Dadurch lassen sich Stromunfälle und Brände wirksam verhindern. In vielen älteren Gebäuden, insbesondere in Anlagen aus der Zeit vor 1985, fehlen solche Schutzeinrichtungen. Der Grund liegt häufig in der damaligen Installationsweise mit nur zwei Leitern. Für den Betrieb eines Fehlerstromschutzschalters werden jedoch in der Regel drei Leiter benötigt: Aussenleiter, Neutralleiter und Schutzleiter. Eine Nachrüstung ist deshalb oft nur möglich, wenn die bestehenden Drähte ersetzt werden. Je nach Zustand und Aufbau der Installation kann dies auch den vollständigen Ersatz der Leitungsanlage erforderlich machen. 48 IMMOBILIA / September 2026
Bild 3: Textilisolierte Leitungen sind besonders kritisch. Hier steigt das Risiko für Kurzschlüsse und Schwellbrände stark an. Bild 4: Der Stecker war überlastet und weist Brandspuren auf. führen. Ein typisches Anzeichen für alterungsbedingte Materialschäden sind grünlich-braune Ablagerungen an Steckerstiften, die nach der Verwendung alter Steckdosen auftreten können. Solche Hinweise sollten ernst genommen und von einer Elektrofachperson überprüft werden. In vielen Altbauten wurden elektrische Installationen im Laufe der Jahre mehrfach erweitert, angepasst oder umgebaut, oftmals ohne fachgerechte Planung und Ausführung. Dadurch können sicherheitsrelevante Mängel entstehen, die im Alltag häufig unbemerkt bleiben. Zu den typischen Schwachstellen gehören beispielsweise: - Falsch angeschlossene Leitungen - Überladene Abzweigdosen - Fehlende Schutzleiter - Ungeeignete Leitungsquerschnitte - Improvisierte Lösungen im Sicherungskasten. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Anzahl elektrischer Geräte in Haushalten und Gebäuden stark zugenommen. Elektroinstallationen, die einst für deutlich geringere Belastungen ausgelegt waren, stossen heute häufig an ihre Grenzen. Um den steigenden Bedarf zu decken, werden oft Mehrfachsteckdosen, Verlängerungskabel oder Adapter verwendet und nicht selten hintereinandergeschaltet. So entstehen sogenannte Steckertürme (siehe Bild 2) und provisorische Kabelkonstruktionen. Was dabei häufig unterschätzt wird: Die elektrische Belastung summiert sich entlang der vorgeschalteten Steckdosen und Leitungen. Werden die zulässigen Belastungsgrenzen überschritten, können Steckverbindungen, Steckdosen und Leitungen überhitzen. Dies erhöht nicht nur den Verschleiss der Installation, sondern kann auch zu einem erheblichen Brandrisiko führen. ÜBERPRÜFEN UND MODERNISIEREN Eine fachgerechte Überprüfung oder Modernisierung der Elektroinstallation LEBENSDAUER PRÜFEN Auch elektrische Komponenten sind nicht für die Ewigkeit ausgelegt. Mit der Zeit unterliegen sie einem natürlichen Verschleiss. Als Orientierung gelten folgende Lebensdauern: - Leitungen: 30 bis 50 Jahre - Sicherungen und Verteiler: 25 bis 40 Jahre - Steckdosen und Schalter: 20 bis 30 Jahre ist insbesondere dann empfehlenswert, wenn kein Fehlerstromschutzschalter (RCD) vorhanden ist, Leitungen brüchig oder verfärbt erscheinen oder Steckdosen locker sitzen, Funken bilden oder ungewöhnliche Erwärmungen aufweisen. Auch der dauerhafte Einsatz mehrerer hintereinandergeschalteter Mehrfachsteckdosen, ein veralteter Sicherungskasten sowie auffällige Geräusche oder Wärmeentwicklungen sind ernstzunehmende Warnsignale. Besondere Vorsicht ist zudem bei Verdacht auf asbesthaltige Materialien oder bröckelnde grau-weisse Unterlagen hinter Leuchten und elektrischen Installationen geboten. Eine moderne Elektroinstallation erhöht die Sicherheit von Personen und Sachwerten, schützt zuverlässig vor Stromunfällen und trägt wesentlich dazu bei, das Brandrisiko im Gebäude zu reduzieren. *FABIAN PROBST Chefredaktor des Fachmagazins CHECK des Verbands Schweizer Elektrokontrollen VSEK . IMMOBILIA / September 2026 49
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