Monatlich lesenswerte Artikel und Interviews zu immobilienrelevanten Themen – Politik, Wirtschaft, Recht, Beruf und Verbandsnews.

Aufrufe
vor 1 Woche

Immobilia September 2026

  • Weitere Details anzeigen
  • Facility management
  • Gebäudesicherheit
  • Brandschutz
  • Treppen
  • Geländer
  • Handläufe
  • Einbruchschutz
  • Höhere fachprüfung
  • Immobilientreuhand
  • Stahlbau
  • Glasbau
  • Beton
  • Immobilienentwicklung
  • Facility services
  • Alarmanlagen
  • Holzbau
  • Heizung
  • Lüftung
  • Immobilien
  • Svit

BAU & HAUS BRANDSCHUTZ

BAU & HAUS BRANDSCHUTZ UND ARCHITEKTUR WIE SCHÖNHEIT UND SICHERHEIT SICH ERGÄNZEN Wie lassen sich architektonische Qualität und Brandschutz von Anfang an zusammen denken? Ein Lehrgang vermittelt das nötige Fachwissen, um die Anforderungen der Brandschutzvorschriften in allen Phasen des Bauprozesses sicher umzusetzen - und gibt Einblick in Zusammenhänge, die meistens verborgen bleiben. TEXT—MANUEL PESTALOZZI* BILD: EGK, LAUFEN Funktionell zusammengehörende Nutzungen wurden beim EKG-Hauptsitz stockwerkübergreifend in einen Brandabschnitt zusammengefasst. Die Abbildung zeigt eine Fluchttreppe. ARCHITEKTUR OHNE SICHERHEIT TAUGT NICHTS Der Römer Vitruv, er lebte im 1. Jahrhundert vor Christus, war der erste Baumeister, welcher der Architektur eine niedergeschriebene Theorie zur Seite stellte. Er machte sie dadurch zu einer wissenschaftlichen Kategorie. Am berühmtesten ist seine Nennung der drei Hauptanforderungen an die Architektur: Firmitas (Festigkeit), Utilitas (Nützlichkeit) und Venustas (Schönheit). Alle drei seien gleichwertig, so Vitruv. Die Begriffe lassen sich vielseitig deuten. So kann man unter Firmitas ganz grundsätzlich die Sicherheit verstehen, die ein Bauwerk allen in ihm und in seiner näheren Umgebung zu garantieren hat. Ein wichtiger Sicherheitsaspekt, der auch die Festigkeit eines Bauwerks erhalten soll, ist der Brandschutz. In der Architekturpraxis bereitet er oft Kopfschmerzen und wird mit seinen zahlreichen Regeln als Einschränkung gesehen - wenn nicht gar als Hindernis für «gute Architektur». Die Berner Fachhochschule (BFH) bildet mit dem Lehrgang für ein Certificate of Advanced Studies (CAS) eine Brücke zwischen Sicherheit, Raumgestaltung und Ausstattung. Der Lehrgang wird angeboten unter den alternativen Titeln «Brandschutz für Architekt*innen» und «Brandschutz im Holzbau». Zielpublikum sind Fachleute aus dem Holzbau wie auch Planungsbüros. Von den Teilnehmenden wird ein Hochschulabschluss erwartet. «Brandschutz ist ein klassisches Weiterbildungsthema», sagt dazu Christoph Renfer, BSc in Timber Engineering und Professor für Brandschutz und Holzbau an der BFH in Biel. Er besitzt auch das eidgenössische Diplom als Brandschutzexperte VKF (Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen). Der nächste Lehrgang beginnt im Januar 2028, der Unterricht ist über sechs Monate verteilt, die Weiterbildung kann berufsbegleitend absolviert werden. VERTRAUTHEIT MIT STANDARDS Der Brandschutz ist in der Schweiz stark systematisiert, er umfasst Regeln für Brandabschnitte, Fluchtwege, Materialien und bauliche Details, die in einem Brandfall die Ausbreitung eines Feuers möglichst behindern und den Lebewesen im Bauwerk ausreichenden Schutz gewähren. Die Regeln basieren auf Erfahrungen und werden in der Schweiz alle zehn Jahre überprüft und bei Bedarf angepasst. So ist die VKF aktuell dabei, die schweizerischen Brandschutzvorschriften (BSV) einer Totalrevision zu unterziehen. Gemäss der Projektleiterin Isabel Engels stehen dabei folgende Aspekte im Zentrum: die Risiko orientierung (welchen Einfluss haben Schutz- AUCH BEI EINER UMNUTZUNG MUSS DER BRANDSCHUTZ GEWÄHRLEISTET SEIN. PROF. CHRISTOPH RENFER, HOCHSCHULLEHRER UND BRANDSCHUTZEXPERTE VKF 42 IMMOBILIA / September 2026

massnahmen auf den potenziellen Schaden?) und die Verhältnismässigkeit. Es müsse, so die Projektleiterin, bei allen Schutzmassnahmen klar sein, dass den aufgewendeten Kosten ein Nutzen für Personen und Gebäude gegenüberstehe. Es wird erwartet, dass die BSV 2026 im Herbst 2027 in Kraft treten. Die Ausbildung an der BFH ist auf diese Systematisierung ausgerichtet. Sie lockt Interessierte mit fachlichen Grundlagen für die Prüfung zur Brandschutzfachfrau bzw. zum Brandschutzfachmann VKF. Die Weiterbildung hat den Anspruch, die Teilnehmenden gezielt auf die erste VKF-Prüfung vorzubereiten, die auf den BSV 2026 basiert. Vorschriften und Grundlagen bilden denn auch ein zentrales Element des Lernstoffs. Auf dieser Grundlage wird das Erkennen und Beurteilen von Gefahren und Risiken gelernt und das Erarbeiten von Brandschutzkonzepten für Neu- und Umbauten geübt. «Das CAS nimmt die Umnutzung von Bestandsbauten explizit als Thema auf», ergänzt Christoph Renfer, «und es finden Begehungen von gelungenen Beispielen statt.» Für die BSV 2026 und jene, die sie anwenden müssen, wird es eine grosse Herausforderung sein, einen angemessenen Umgang mit Gegebenheiten zu finden, die architektonisch wertvoll sind. Bei Neubauten präsentiert sich die Sachlage etwas anders: «Gerade bei grösseren Objekten gehört der Brandschutz zu den entwurfsrelevanten Themen und fliesst somit schon in die Machbarkeit mit ein», meint Christoph Renfer, «sinnvollerweise ist schon in der ersten Phase der Bedürfnisermittlung eine Fachperson der Brandschutzplanung mit an Bord, welche die Nutzungen in Anforderungen umsetzen kann. Ein derart erarbeitetes Konzept hat einen grossen Einfluss auf Fluchtwegplatzierung, Flexibilität und Oberflächenmaterialisierung.» Für diese Aufgaben vermittelt der Lehrgang Tipps zur Zusammenarbeit mit Gesamtplanenden und Brandschutzbehörden, aber auch die Planung von Bauteilen mit brandschutztechnischen Aufgaben sowie die brandschutzgerechte Detailausbildung und Ausführung. Damit wird die Nähe zur architektonischen Planung augenfällig. Folgerichtig stehen auch das Studium von Best-Practice-Beispielen «mit Reflexion» und eine Exkursion auf dem Kurs programm. NEBENSACHEN UND HAUPTSACHEN VEREINEN Massnahmen wie der Brand- oder auch der Erdbebenschutz können lebenswichtig sein. Sie schützen allerdings vor seltenen Extremereignissen und gehören nicht zu den Hauptgründen für den Bau oder die Umnutzung eines Hauses. Niemand hält sich gern in einem Gebäude auf, in dem man auf Schritt und Tritt daran erinnert wird, dass es eines Tages brennen könnte. Diese Überlegungen werden auch im Lehrgang thematisiert. «Brandschutz darf sichtbar sein, sollte sich aber nicht aufdrängen», sagt dazu Christoph Renfer, «viel wichtiger ist, dass der Brandschutz die vorgesehene Nutzung ermöglicht und nie behindert.» Die Erfahrung hat ihn gelehrt, dass bei Brandschutzmassnahmen auch psychologische Aspekte von Bedeutung sind: «Nutzer sind sehr kreativ, wenn es darum geht, sich das Leben einfacher zu gestalten», weiss er, «der beste Beweis ist der Keil unter den Türen mit Brandschutzanforderungen in praktisch jedem Gebäude.» Diese Tendenz sollte aber nicht durch ein Hochrüsten mit Warnhinweisen gekontert werden, zeigt er sich überzeugt: «Eine latente Gefahr kann durch zu viele Schilder auch als nicht mehr wichtig wahrgenommen werden. Sensibilisierung und Prävention sind hier Schlagwörter.» Wie erwähnt, werden Fragen der Verhältnismässigkeit die BSV 2026 mitprägen. Die Verhältnismässigkeit soll auch Einfluss auf die architektonische Planung nehmen. So wird etwa in Aussicht gestellt, dass durch mehr Möglichkeiten in der Fluchtwegführung über mehrere Räume bestehende Bauten einfacher umgenutzt werden können, ohne das Schaffen zusätzlicher Fluchtwege. Und bei der Umsetzung von Konstruktionen sollen in Fluchtwegen die Bauteile, die sich keinen Brandbeitrag leisten dürfen, nur noch bekleidet und nicht mehr wie früher rundherum eingepackt werden müssen. Wie stark die Folgen solcher Regelanpassungen «für das Auge» sind, wird sich weisen. WEITERBILDUNG FÜR ACHITEKTINNEN UND ARCHITEKTEN Im Lehrgang Brandschutz für Architektinnen und Architekten (CAS) an der Berner Fachhochschule lernen die Teilnehmenden, architektonisch gute und brandsichere Bauten zu planen, und kennen die gesetzlichen Vorgaben der Brandschutzvorschriften (BSV). Damit werden qualitativ hochstehende, wirtschaftliche, nachhaltige und wettbewerbsfähige Bauten konzipiert und entwickelt, welche die brandschutztechnischen Anforderungen von Anfang an berücksichtigen. Weitere Infos: bfh.ch/de/weiterbildung/cas/ brandschutz-architektinnen-architekten Beim Neubau des Hauptsitzes der EGK Gesundheitskasse in Laufen BL wurde ein Brandschutzkonzept mit Lehmbauplatten realisiert. BILD: EGK, LAUFEN *MANUEL PESTALOZZI Der Autor ist dipl. Arch. ETHZ und Journalist BR SFJ, er betreibt die Einzelfirma Bau-Auslese Manuel Pestalozzi (bau-auslese.ch). IMMOBILIA / September 2026 43

Immobilia - Die Verbandszeitschrift des SVIT Schweiz

SVIT Schweiz
Greencity
Maneggstrasse 17
CH-8041 Zürich

Impressum