IMMOBILIENWIRTSCHAFT DATENQUALITÄT IM FM GUTES FACILITY MANAGEMENT BENÖTIGT DATEN Oft gelangen Daten im Facility Management ohne klare Übergabestrategie von der Planung in den operativen Betrieb. Datenpflege wird nicht immer als klarer Prozess verankert. Bei Kennzahlen, Benchmarks, ESG-Reportings oder Lifecycle-Entscheidungen ist die Datenbasis teils lückenhaft. Branchenexperten sehen hier Verbesserungsbedarf. TEXT—REMI BUCHSCHACHER* Die bestehenden IT-Systeme im FM können für sich genommen viel, sprechen aber teils nicht miteinander. BILD: BIJAC, STOCK.ADOBE.COM DATENQUALITÄT IST EINE DAUERAUFGABE Die IT-Landschaft im Facility Management (FM) ist heute leistungsfähig: Es bestehen Systeme für Flächen, Instandhaltung, Energie, Verträge, Dokumente, Tickets, IoT (Internet of Things) und mehr. Die meisten dieser Systeme können für sich genommen viel. Aber sie sprechen oft nicht wirklich miteinander. Es bestehen in den Unternehmen fragmentierte Systemlandschaften, Datenfriedhöfe und Abteilungen, die ihre eigenen Daten nicht wirklich kennen - geschweige denn konsequent nutzen. Gefährlicher als fehlende Daten sind Daten, denen man vertraut, obwohl sie fachlich nicht belastbar sind. Müsste die Datenqualität nicht als Daueraufgabe verstanden werden? «Absolut. Datenqualität ist keine einmalige Bereinigungsaktion, sondern eine permanente Führungs- und Managementaufgabe», unterstreicht Michael Ulli, Geschäftsführer der ICFM AG. Die Frage sei heute meist nicht mehr, ob genügend Daten vorhanden sind, sondern ob diese Daten korrekt, aktuell und für Entscheidungen geeignet sind. «Schlechte Daten führen zu schlechten Entscheidungen - unabhängig davon, ob klassische Analysen oder künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt werden. Besonders problematisch sind Daten, die vermeintlich präzise erscheinen, deren Herkunft, Aktualität oder Qualität aber unbekannt ist. In solchen Fällen entsteht eine gefährliche Scheingenauigkeit.» Unternehmen sollten Daten deshalb als strategisches Asset verstehen. Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten, definierte Qualitätsstandards und kontinuierliche Pflegeprozesse. Erst auf dieser Grundlage können Digitalisierung, Automatisierung und KI ihr Potenzial tatsächlich entfalten. «Datenqualität ist keine IT-Aufgabe, sondern eine Kernaufgabe des modernen Facility Managements», fügt Ulli an. FACILITY MANAGEMENT Facility Management (FM) gewinnt immer mehr an Bedeutung - nicht zuletzt aufgrund steigender Anforderungen an Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Betriebssicherheit. Gleichzeitig wächst der Druck, Immobilien angesichts des Sanierungsbedarfs langfristig wirtschaftlich zu betreiben. Das FM ist nahe an der technischen Infrastruktur und verfügt über das Know-how, Anlagen effizient zu betreiben, zu warten und ihren Zustand einzuschätzen. Damit stellt sich eine zentrale Frage: Reagiert man erst, wenn Anlagen oder Bauteile ausfallen, oder lassen sich Unterhalt und Erneuerung vorausschauend planen? Gerade bei älteren Immobilien kann eine solche Planung helfen, Reparaturen, Investitionen und Sanierungen besser aufeinander abzustimmen. Das setzt jedoch voraus, dass der Zustand der technischen Anlagen bekannt ist und entsprechende Daten und Entscheidungsgrundlagen vorliegen. Die Wichtigkeit vollständiger Daten für das FM wird im Beitrag oben thematisiert. Facility Management ist mehr als der laufende Betrieb von Gebäuden. Wo die Potenziale liegen und welche Herausforderungen bestehen, beleuchten die Artikel auf den nächsten Seiten. 18 IMMOBILIA / September 2026
35 Auch für Oliver Hofmann, CEO der Vebego AG, müsste die Schaffung einer konsistenten Datenqualität eine Daueraufgabe sein. «In der Realität kollidieren aber unterschiedliche Datennormen unterschiedlicher Verbände, uneinheitliche Datenquellen und -ablagen nicht nur in den Firmen, sondern auch der Immobilienakteure sowie unterschiedlichste IT-Systeme miteinander.» Die Schaffung eines einheitlichen, schweizweiten oder globalen Verständnisses von gleichen Normen sei seit jeher ein Versuch, dessen Umsetzung bis heute leider nicht geklappt hat. «Die Wahrnehmung für einheitliche, sauber abgelegte und normierte Daten hat sich aber über die letzten 10 bis 15 Jahre stark verbessert.» HERAUSFORDERUNGEN BLEIBEN Doch die Herausforderungen bestehen weiter, vor allem bei der nachhaltigen Entwicklung und dem Erreichen der ESG- Ziele. «Ja, die Bewirtschaftung und das Facility Management können dazu einen Beitrag in ihren Dienstleistungsfeldern wie Beratung, CO2-Senkung, Reduktion Wasserverbrauch, Aufbau Biodiversität leisten. Es braucht aber das Zusammenspiel mit den Immobilieneigentümern. Die primären Herausforderungen sind die Kosten und ein Umdenken der Akteure», sagt Oliver Hofmann. Facility Management hat also einen unmittelbaren Einfluss auf Energieverbrauch, CO2-Emissionen, Ressourceneffizienz und Nutzerkomfort. Viele Nachhaltigkeitsziele werden nicht in der Planung, sondern im Betrieb einer Immobilie erreicht oder verfehlt. Michael Ulli dazu: «Die grössten Herausforderungen liegen aktuell in der Dekarbonisierung bestehender Portfolios, dem Fachkräftemangel sowie in der zunehmenden regulatorischen Komplexität. Hinzu kommt, dass nachhaltige Massnahmen oft einen langfristigen Nutzen erzeugen, während Investitionsentscheidungen häufig auf kurzfristige Budgets ausgerichtet sind. Nachhaltigkeit muss deshalb stärker als betriebswirtschaftliche Chance und weniger als regulatorische Pflicht verstanden werden.» UNTERNEHMEN SOLLTEN DATEN ALS STRATEGI- SCHES ASSET VERSTEHEN. MICHAEL ULLI, CEO DER ICFM AG SICHTBARKEIT UND TRANSPARENZ Genau hier wird Sichtbarkeit und Transparenz bei den erhobenen Daten mittels CAFM-Systemen sehr wichtig. Stammdaten sind oft unvollständig, Grundrisse veraltet, Anlagenkennzeichnung inkonsistent. CAFM steht für Computer-Aided Facility Management und bezeichnet Softwaresysteme, die sämtliche Prozesse rund um den Betrieb, die Instandhaltung und die Verwaltung von Gebäuden und Infrastruktur digital abbilden. Dabei ist in der Regel alles von Flächenmanagement über Wartungsplanung bis hin zu Energiedatenerfassung und Vertragsmanagement eingeschlossen. Also alles, was Facility Manager täglich beschäftigt und was ohne Software in Excel-Tabellen isoliert bleibt. Bessere Entscheidungen können erst dann gefällt werden, wenn klar ist, welche Anlagen wann gewartet wurden, welche Flächen tatsächlich genutzt werden und welche Ver- träge wann auslaufen. Gerade in Zeiten hybrider Arbeit ist Flächenmanagement zu einem strategischen Thema geworden. Nach Schätzungen des Fraunhofer-Instituts aus dem Jahr 2022 nutzen Unternehmen in Deutschland durchschnittlich nur rund 60 bis 70% ihrer Büroflächen regelmässig. Ähnliche Zahlen können auch für die Schweiz erwartet werden. Eine regelmässige Belegungsanalyse ermögliche fundierte Flächenentscheidungen. «Resilienz wird zum zentralen Erfolgsfaktor. Betreiber müssen kritische Prozesse, Lieferketten, Energiekonzepte und Dienstleister regelmässig auf ihre Widerstandsfähigkeit überprüfen. Gleichzeitig braucht es eine stärkere Digitalisierung der Betriebsprozesse, damit Entscheidungen auf aktuellen und belastbaren Informationen beruhen», ergänzt Michael Ulli. Ebenso wichtig seien klare Verantwortlichkeiten, qualifizierte Mitarbeitende und eine professionelle Risikokultur. «Technologie kann unterstützen, ersetzt aber weder Fachwissen noch Betreiberverantwortung. Gerade in einem volatilen Umfeld ist die Kombination aus datenbasierten Entscheidungen und menschlicher Expertise entscheidend.» Doch die Technik ist häufig gar nicht die grösste Herausforderung. Entscheidend ist, ob das System zum tatsächlichen Betrieb passt und die Menschen einen Nutzen darin erkennen. Ein CAFM, das im Alltag nicht akzeptiert und mit verlässlichen Informationen versorgt wird, erzielt keinen Mehrwert. *REMI BUCHSCH ACHER Der Autor ist Wirtschaftsjournalist und Redaktionsleiter des RealEstateReports in Luzern. ANZEIGE Solides Handwerk für bleibende Werte. Tore von DARO TOR. www.darotor.ch Dahinden + Rohner Industrie Tor AG CH-8320 Fehraltorf Tel. +41 44 955 00 22 | info@darotor.ch IMMOBILIA / September 2026 19
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