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Immobilia September 2026

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IMMOBILIENPOLITIK

IMMOBILIENPOLITIK WOHNBAU FÖRDERN WEGE AUS DER WOHNBAU MISERE - LASST UNS BAUEN! Die Schweiz wächst, und der Wohnungsbau hält nicht Schritt. Entwicklung Schweiz, Verband der Gesamt leister und Entwickler, ortet die Ursache nicht in fehlender Fläche, sondern in zu viel und am falschen Ort ansetzender Regulierung. Ein Positionspapier benennt die Hebel und bietet Hand für gemeinsame Lösungen. TEXT—KARIN BÜHRER* FAKTEN SIND UNBESTRITTEN Ende 2025 zählte die Schweiz über 9,1 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner. Das Referenzszenario des Bundesamts für Statistik rechnet bis 2055 mit rund 10,5 Mio., getrieben in erster Linie durch Zuwanderung. Gleichzeitig ist die Leerwohnungsziffer per 1. Juni 2025 auf 1,0% gefallen: der tiefste Stand seit zwölf Jahren und der fünfte Rückgang in Folge. In den wirtschaftsstarken Zentren ist der Markt faktisch ausgetrocknet: Der Kanton Genf liegt bei 0,34%, Zug bei 0,42%, Zürich bei 0,48%; in der Stadt Zürich steht praktisch keine Wohnung mehr leer. In 15 Kantonen liegt die Quote unter einem Prozent, also unterhalb der Schwelle eines funktionierenden Marktes. Der Wohnungsbau kommt dieser Nachfrage nicht nach. 2024 wuchs der Wohnungsbestand um lediglich 0,95%, das ist der tiefste Wert seit über 20 Jahren. Zwischen 2020 und 2024 entstanden pro 100 zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner nur 52 neue Wohnungen; so wenige wie seit den 1950er-Jahren nicht mehr. Die Folge sind steigende Angebotsmieten und wachsender sozialer Druck. Für den Versaniert; in Zürich hingegen immerhin 30%. Regeln, die Investitionen erschweren, führen nicht zu mehr, sondern zu weniger und älterem Wohnraum. Zwischen 2020 und 2024 entstanden pro 100 zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner nur 52 neue Wohnungen, das sind so wenige wie seit den 1950er-Jahren nicht mehr. BILD: ZVG band ist klar: Diese Zahlen sind keine Meinung. Wer sie wegdiskutiert, verschiebt das Problem, ohne es zu lösen. KEIN BAU-, SONDERN EIN STEUERUNGSPROBLEM Die Analyse des Verbands: Es fehlt nicht am Können, sondern am Rahmen. Die Privatwirtschaft mit Investoren und Bauträgern verfügt über das Kapital und das Know-how, um rasch und kostengünstig zu bauen. Die Branche wird aber durch übereinandergeschichtete Vorschriften, langwierige Verfahren und eine Einsprache kultur gebremst. Gerade dort, wo Verdichtung am dringendsten wäre, nämlich in den Zentren, stockt sie am stärksten: In der Stadt Zürich blockierten allein 2024 verschärfte Lärmschutzvorgaben rund 3000 geplante Wohnungen. Genossenschaftsprojekte für preisgünstigen Wohnraum warten mancherorts über zwei Jahrzehnte auf die Baubewilligung. Dass mehr Regulierung nicht mehr Wohnraum schafft, zeigt der Vergleich der Märkte: In Genf, einem der am stärksten regulierten Kantone, sind nur rund 12% der vor 1985 erstellten Wohnungen total- GUT GEMEINT IST NICHT GUT GEMACHT Angesichts steigender Mieten wird der Ruf nach staatlichen Eingriffen lauter: nach Mietpreisdeckeln, nach Vorkaufsrechten für Gemeinden, bis hin zur Verstaatlichung des Bodens. Die Absicht dahinter, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, teilt Entwicklung Schweiz vorbehaltlos; den Weg hält der Verband für falsch. Jede Massnahme, welche die Planbarkeit und die Rendite des Bauens schmälert, entzieht dem Markt genau jene Investitionen, die zusätzliche Wohnungen schaffen. Oft blockieren dieselben Verfahren und Einsprachen, die schutzwürdige Anliegen verfolgen, letztlich preisgünstige Projekte zulasten jener, die auf sie angewiesen wären. Dass dies keine parteipolitische, sondern eine sachliche Position ist, zeigt ein Blick über die Lager hinweg: Auch der sozial demokratische Präsident der Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz (BPUK) fordert, den Detailgrad der Bauvorschriften deutlich zurückzunehmen und wieder «normenfrei» zu denken. Der Befund verbindet, die Rezepte müssen es auch. WO DIE HEBEL LIEGEN Im Positionspapier «Wege aus der Wohnbaumisere - Lasst uns bauen!» bündelt der Verband die Praxiserfahrung seiner Mitglieder in fünf Kernforderungen: - Denkmalschutz mit Augenmass: Wohnraum ist in der Interessenabwägung höher zu gewichten als der Ortsbildschutz; Expertenkommissionen sollen beraten, nicht verhindern. Der Verband unterstützt die Verordnungsanpassung beim ISOS, aber auch eine neue Motion von Ständerat Benedikt Würth. - Fairness im Einspracherecht: Einsprachen an direkte Betroffenheit knüpfen, missbräuchliche Blockaden sanktionieren, bezahlten Einspracheverzicht unter Strafe stellen. Der Verband unterstützt auf Bundesebene die vom Ständerat und Nationalrat bereits angenommenen Motionen Gmür-Schönenberger gegen missbräuchliche Baueinsprachen - der Bundesrat muss nun rasch umsetzen. 16 IMMOBILIA / September 2026

46 - Ein modernes Raumplanungsgesetz: Einzonen an gut erschlossenen Lagen bei Leerstand unter 0,5%, Auszonen an der Peripherie, mehr Nutzungsflexibilität statt strikter Zonentrennung. Der Verband unterstützt eine entsprechende Motion von Ständerat Damian Müller. - Sanierungsoffensive für Klima und Wohnraum: Wer energetisch saniert, erhält mindestens 30% Mehrfläche - Klimaziele und Wohnraum ohne zusätzlichen Bodenverbrauch. - Schlanke Verfahren statt Planungs- Marathon: ein direkter Weg von der Nutzungsplanung zur Baubewilligung, radikal reduzierte Zwischenschritte. Dass es geht, zeigt das neue Baugesetz des Kantons Obwalden, das der Verband als gutes Beispiel aufführt. ANGEBOT ZUM BRÜCKENBAUEN Entwicklung Schweiz will Teil der Lösung sein. Als Verband der Gesamtleister und Entwickler pflegt Entwicklung Schweiz enge Beziehungen zu Politik, Verwaltung, Eigentümern und Investoren - und versteht es als seine Aufgabe, zwischen diesen Welten Brücken zu bauen. Die Branche bringt Know-how, Kapital und Umsetzungskraft ein. Was es zusätzlich braucht, ist der Wille von Politik, Behörden und Gesellschaft, Prioritäten zu setzen und den Rahmen so zu gestalten, dass gebaut werden kann. Die Schweiz modern und lebenswert zu halten, ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Sie beginnt damit, die Fakten anzuerkennen - und daraus die richtigen, nicht die bequemsten Schlüsse zu ziehen. POSITIONSPAPIER WOHNBAUMISERE Scannen Sie den QR-Code, um das ganze Positionspapier «Wege aus der Wohnbaumisere - Lasst uns bauen!» (Juni 2026) von Entwicklung Schweiz einzusehen. *KARIN BÜHRER Die Autorin ist Geschäftsleiterin von Entwicklung Schweiz. ANZEIGE Komplexe Umbauten brauchen einfache, systematische Lösungen. RiModul® Stahl-Leichtbau Konkrete Vorteile im White Paper und unser Podcast entdecken. rigips.ch/de/produkte/rimodul IMMOBILIA / September 2026 17

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